von Herbert Stoepper, Schulleiter a.D.
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Die Ausgangslage

Die KGS Neustadt ist eine große Gesamtschule der ersten Generation, "auf der grünen Wiese" am nördlichen Rand der Stadt gelegen. Etwa 1350 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule, die im Ganztagsbetrieb geführt wird. Die Schule, die im übrigen vom Raumangebot und von den Freizeiteinrichtungen her gut ausgestattet ist, leidet seit mehr als 20 Jahren unter einem erheblichen Mangel an Sporthallenkapazitäten. Zu der Anlage gehört zwar eine dreiteilbare "Normhalle", die Schule müsste aber nach den Berechnungen des Schulträgers über eine entsprechende zweite Halle verfügen. Mehrere Ansätze, diese zweite Halle zu erstellen, sind an Finanzierungsproblemen gescheitert. Da sich die Haushaltslage der Stadt Neustadt a.Rbge. in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert hat, ist auch nicht damit zu rechnen, dass eine weitere Halle in den nächsten Jahren gebaut wird. Für den Sportunterricht und für die Schule insgesamt war diese Situation äußerst misslich: Hallen in umliegenden Dörfern und in der Kernstadt mussten regelmäßig mit genutzt werden, viel Unterrichtszeit ging bei dem unvermeidlichen Schülertransport verloren. Die Organisation des gesamten Stundenplanes hatte sich vor allem daran zu orientieren, ob die Sporthalle optimal belegt war. Freizeitangebote und Arbeitsgemeinschaften aus dem Bereich Sport mussten gekürzt werden usw.. Es gab häufig Beschwerden von Eltern, aber auch Initiativen, "etwas zu unternehmen".

Besonders groß war die Frustration natürlich unter den Fachlehrern, die wenig Entwicklungsmöglichkeiten für das Fach Sport sahen. So hatte es z.B. immer wieder Versuche gegeben, das Aufgabenfeld "Auf Rädern und Rollen" stärker in den Fordergrund zu stellen. Da das Schulgelände dazu wenig geeignet war und die Halle (unter anderem, weil der Schulträger Einspruch dagegen erhoben hatte) nicht zur Verfügung stand, wollte man schließlich mit Hilfe von Sponsoren auf einem Brachgelände vor der Sporthalle wenigstens eine Asphaltfläche anlegen, um dort eine kaum genutzte Skateranlage der Stadt aufzustellen oder das in der Region sehr beliebte Inlinehockey anzubieten. In dieser Situation entstand im Förderverein der Schule die Idee, diese Anlage mit einfachsten Mitteln zu überdachen, um sie weitgehend witterungsunabhängig nutzen zu können.

Erwartungen der Schule und des Schulträgers

Für die Fachkollegen stellte dieser Vorschlag eine reizvolle Idee dar, um die Misere fehlender Hallenkapazitäten ein wenig zu mildern. Wenn das Dach entsprechend groß sei und hinreichend Schutz vor Regen und Schnee biete, so war man sich einig, könne ein Teil des Sportunterrichts regelmäßig nach draußen verlegt werden. Ebenso sah man die Möglichkeit, viele Freizeitangebote und Arbeitsgemeinschaften unter diesem Dach anzusiedeln, auch mit dem Effekt, die Halle zu entlasten. Ebenso wichtig aber war die Erwartung, damit zusätzliche, inhaltlich neue Akzente im Sportunterricht setzen zu können. Für die Schule insgesamt war darüber hinaus der Gedanke reizvoll, hier einen Bereich für große Veranstaltungen im Freien zu bekommen.Aber auch für die Stadt Neustadt war die Idee außerordentlich attraktiv. Die Stadtjugendpflege sah hier die Möglichkeit, offen zugänglichen Spielraum für die Jugendlichen der Stadt zu gewinnen oder einen geeigneten Platz für Mitternachtssport und ähnliche Veranstaltungen zu finden. Ebenso signalisierten die Organisatoren der vielfältigen Ferieninitiativen in der Stadt ihr Interesse an solch einer "Halle". So ergab sich eine vielschichtige Interessenlage, die letztlich dazu führte, die Finanzierung und den Bau der Anlage durchzusetzen.

Planung und Realisierung

Die erste Frage, die sich noch vor Beginn der eigentlichen Planung stellte, war eher ästhetisch, städtebaulich orientiert: Hier gab es ein großflächiges, quaderförmig verschachteltes Gebäude mit einer entsprechenden Sporthalle in Randlage zum Gesamtkomplex; zwischen der Sporthalle und der in die Innenstadt führenden Landstraße lag eine größere Brachfläche (die ursprünglich als Reservefläche für eine Sportanlage "Typ C" gedacht war). Wie sollte man sich hier eine Dachkonstruktion - nahezu in Sporthallengröße - vorstellen, die weder Assoziationen mit einm überdachten Parkplatz weckte, noch den verblichenen Charme eines preisgekrönten Schulbaus aus den 70-ger Jahren endgültig zunichte machte? Ein Vorentwurf des Planungsteams für Freisporthallen (Berlin) überzeugte die beteiligten Stellen auf Anhieb: Er setzte auf Kontrast und Offenheit, sah fließenden Formen und Durchblicke auf den bestehenden Gebäudekomplex vor, verwandte als bestimmendes Element in der Abdeckung eine textile, lichtdurchlässige Membran auf einem Stahltragwerk. Das textile Dach sollte die Südseite der Sporthalle mit überdecken, ohne dass eine feste Verbindung zwischen der neuen Anlage und der Sporthallevorgesehen war.

Dabei zeigte sich, dass diese lockere Anbindung an die Sporthalle eine optimale Erschließung der neuen Anlage möglich machte. Ein erhöhter Umgang, auf den mehrereAusgänge der Sporthalle führten, wurde mit in die Überdachung einbezogen. So war es möglich, Umkleiden, Toiletten und andere Nebenräume der Halle mit zu benutzen. Ebenso gut war ein stufenloser, einladender Übergang vom Pausenhof in die überdachte Fläche möglich.Gleichzeitig bot sich der kleine Abhang vom überdachten Gang zur Wiesenfläche an, daraus eine großzügige, dreistufige Tribüne zu entwickeln. Für zusätzlichen Witterungsschutz sollte auf der Südseite eine wallartige Rampe sorgen, im Westen war der Schutz von vornherein durch die Sporthalle gegeben. Insgesamt überspannt das Dach in seiner jetzigen Ausführung eine Asphaltfläche von 930 m_. Diese Fläche ist gegliedert in ein multifunktionales Spielfeld in der Größe 18 x 30m (Basketball, Streetball, Fußball, Inline-Hockey...) und einen Skaterbereich mit einer Halfpipe. Die Asphaltfläche ragt auf drei Seiten insgesamt 600m_ über das Dach hinaus, hier sollen weitere Skateranlagen untergebracht werden.

Wie nicht anders zu erwarten, mussten bei der Realisierung des Vorhabens in den Details immer wieder Kompromisse gefunden werden - einerseits um den vorgegebenen Kostenrahmen nicht zu sprengen, andererseits aber auch die freie, öffentliche Nutzung und die schulischen Interessen auf einander abzustimmen. So musste z.B. die Flexibilität in den Einrichtungen (etwa bei den Banden) ein wenig zugunsten größerer Sicherheit und Stabilität zurücktreten. Insgesamt aber muss man es als Glücksfall ansehen, dass es gelungen ist, den Ursprungsentwurf so konkret und in dieser Größenordnung umzusetzen. Die gesamte Bauzeit, einschließlich der Erd- und Gründungsarbeiten, betrug nur knapp vier Monate. Die hervorragende Kooperation zwischen dem Architekten, der Stadtverwaltung und den beteiligten Firmen hat diese kurze Bauzeit möglich gemacht.

Vorher:
Eine durchaus typische Sporthalle der 70er Jahre
Nachher:
Ein Architektonischer und sportlicher Gewinn
Grundsteinlegung
Juni 2001
Die Fundamente für die Stahlträger sind gesetzt
Juli 2001
Die Stahlkonstruktion steht
September 2001
Sportfest zur Einweihung
Oktober 2001